Imperialisten-Abc

Z: Schlinge zu, zerfleischwolft ihn, püriert ihn fein!

A: Erlauben’s, Herr: das wird wohl kaum das Richt’ge sein…

Z: Schweigt still! Man soll ihn schneiden, schön in Längen!

Y: … ihn über Euer Bette hängen?

Z: Neben Frau und Kind, da soll er bluten!

Frau & Kind: Besser sollten wir uns sputen!

Y: Halt inne, nichtiges Weib!

Z: Zerkleinert auch sie!

Y: Scheib’ für Scheib’!

B: Verzeiht mir eine kurze Frage…

Z: Füsiliert sofort auch diese Plage!

C: Maestro, bitte, tut das nicht…

Z: Auf geht’s Narr, na los schon, tanz’!

Y: So verbrennt ihn ganz!

Z: Nur nicht das Gesicht!

Y: Denn es soll schmücken, zieren, mahnen!

Z: Meinen Thronsaal, voller Ahnen!

D: Herr, ich bringe euch den Schinken…

Z: Stirb’ auch du!

Y: Er muss ertrinken!

Z: Hinzu!

E: Wofür, mein Herr, wollt ihr euch rächen?

Z: Wer wagt es denn? Na los, erstechen!

F: Mein Sold ist fällig, schon seit Tagen…

Z: Sold? Aus Gold? Auch ihn soll man erschlagen!

G: Mich Schatzmeister wollt ihr nicht lynchen!?

Z: Klar doch.

Y: Ach, ich muss ja eh noch tünchen…

Z: Gott, oh Meister, wozu bloß all die Schand’?

Y: Hier fehlt eindeutig Rot an der Wand!

H: Halt, nicht mich, hab’ nichts getan!

Z: Von ihm möcht’ ich den Schneidezahn…

Y: Edel, edel, sein Gebiss…

I: Gnade! Ich kämpfe, bin hart wie Stahl!

Y: Gewiss, gewiss…

Z: Knüpft ihn auf, am Marterpfahl!

J: Herr, ich bitte euch, lasst mich am Leben.

Y: So wenig wie deine Nichten…

Z: Einen Rock könnte man aus deinem Haupthaar weben…

K: Soll der Henker über ihn richten!

Y: Wer sind sie denn? Ungefragt und viel zu laut.

Z: Weshalb man ihn in Stücke haut!

L: Messerwetzen will sich lohnen.

Z: Denkst du ernsthaft, dich würd’ ich verschonen?

M: Chef, ihr furchtloser Gebieter!

Y: Von dir bleibt nichts.

Z: Bis aufs Gefieder.

N: Gottheit, darf ich euch die Stiefel lecken?

Z: Welch’ Anstand, doch nein: Niederstrecken!

Y: Mal sehen, hey, was ist mit dir?

O: Was? Ich bringe nur das Bier!

Z: Die Haut bringt’s höchstens als Papier…

P: Mir reicht’s, ich gehe, bevor’s zu spät!

Z: Schnell! Das Bolzenschussgerät!

Y: Maestro, Herr, ihr habt Besuch.

Q: Gestatten, frische Schafswolle aus Scharbeutz!

Y: Genuch!

Z: Man nagle den Herrn ans Kreuz.

R: Welch’ Leichengeruch, ob wohl jemand die Fenster öffnen mag?

Z: Wie war das noch? Mit den Geistlichen aus Prag?

Y: Haha, hab’s nicht vergessen!

R: Euer Verhalten ist mehr als vermessen!

S: Welch’ Hund’ ihr seid, nichts tun als heucheln!

Y: Maestro, erlauben’s mir vielleicht zu meucheln?

Z: Tu’, was du nicht lassen kannst.

T: Ihr nehmt euch alle viel zu wichtig!

Z: So schlitzt ihn auf, den fetten Wanst…

Y: Das Fett, es spritzt! So ist es richtig!

U: Als Bruder rate ich zur Amnestie.

Z: Lasst ihn sterben.

Y: Jawohl, Maestro. Und wie?

Z: Hm, ich denke da ans Gerben.

V: Seht euch um, es herrscht Angst und Tod!

Z: Dich möcht’ ich zum Abendbrot.

Y: So sei es, doch: Vollkorn oder Toast?

Z: Ach nee, doch Beef.

Y: Etwa Roast …?

W: Wie wäre es mit heit’rem Reigen?

Z: So bringt auch diesen Thor zum Schweigen.

X: Lasst Gnade walten, um Gottes Willen!

Y: Oh wie schlecht.

Z: Könnt’ ihn bitte jemand killen?

Y: So ist’s recht.

Z: Seht nur, leer ist’s hier, alle sind fort.

Y: Und ich beging den letzten Mord.

Z: Falsch gedacht, auch du sollst zieren…

Y: Nun wird’s auch mich noch liquidieren.

Es ist vollbracht
Ich bin allein!
Welch’ eine Nacht
Schweinsbraten und Wein!

Worüber nun richten?
Hunger und ein leeres Glas!
Allein macht das Dichten
Mir keinen Spaß!

Ich Idiot
Meine Rache
Dass ich nicht lache!
Sei willkommen, edler Tod!
Es gehe mir ans Eingemachte:
Auf dass ich mich jetzt selber schlachte!

2 Antworten zu “Imperialisten-Abc”

  1. Don Sekreto,
    dieses unkommentiert zu lassen, fällt mir nicht ein, nur was sagen, wenn man verwirrt und erstaunt davor sitzt.
    Wie du zu diesen Gedanken gekommen bist, wirst du mir sicherlich bei einem leckeren F. näher erläutern, ich werde ansonsten darauf bestehen!

    Es darf diskutiert werden!
    Gregor G.

  2. Genosse Gregor,

    wie dir wohl bekannt ist, ist das eig’ne Schaffen nicht selten rätselhaft und gänzlich schleierhaft. Um mich einer von dir angeregten Diskussion des oben fabrizierten Nonsens stilvoll entziehen zu können, möchte ich jemanden zitieren, der diese Problematik auf den Punkt gebracht hat:

    „Es ist immer schwer zu wissen, warum man Dinge tut,
    doch oft ist der einzige Grund, dass es in dir nicht ruht,
    dass du unendlich rastlos auf der Suche immer bist

    vielleicht ein Anfang, ein Beginn für eine Lösung ist.“

    Theatralisch minderwertige Grüße,
    Genosse O.

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