Welch’ Theater! (Dritter Teil)

Ort: Küche des Gasthauses “Zum goldenen Hering”

Personen: Küchenchef Luciano Narringer, Erster Koch Daniele Körber, Zweiter Koch Wilhelm Arndt, Auszubildender Johansson, Gehilfin Pauline Garovic

Narringer: “Meine Herren, der Speiseplan für nächsten Sonntag…”

Körber: “Den Gästen fehlt der Fisch, ich werde am Samstag mehr Hering ordern.”

Arndt: “Zur Zeit zu teuer, dann gleich Kaviar statt Knäckebrot.”

Johansson: “… wie wär’s mit Rindergulasch?”

Garovic: “… ich sehe mal im Kühlraum nach…”

Narringer: “Rindergulasch? Quatsch mit Soße.”

Körber: “Wie, Rindergulasch? Tz.”

Arndt: “Schweinerippen? Sind im Angebot.”

Johansson: “Meinetwegen Schweinerippen.”

Garovic: “Schweinerippen? Machen doch keinen Kerl satt!”

Narringer: “Wolltest du nicht irgendwas nachsehen, Pauline?”

Pauline zieht sich einen dicken Wollpullover über, öffnet die Kühltür, betritt die Kammer.

Körber: “Zurück zum Fisch. Wie sieht’s aus mit Forelle?”

Arndt: “Regenbogen?”

Johansson: “Wie Regenbogen ?”

Garovic (aus dem Kühlraum rufend): “Regenbogenforelle. Ich hab letztens einen Artikel gelesen, dass Reg…”

Körber: “… dass Regenbogenforellen überaus gesund sind, hab ich auch gelesen.”

Pauline kommt durchgefroren zurück.

Garovic: “… ähm, also, dann haben sie wohl…”

Narringer: “Gut: Regenbogenforelle: fünfundachtzig Stück! Malte…!”

Malte schreibt.

Johansson: “Hab’s notiert, Chef.”

Arndt: “Aber kräftig angebraten. Und nicht ohne Zitrone.”

Körber: “Frevel! Leicht gedünstet, mit französischen Kräutern…”

Garovic: “Nicht nach Wunsch?”

Narringer: “Nach Wunsch!”

Malte schreibt.

Johansson (irritiert): “Ich find’ hier keinen Frevel auf der Liste, Chef.”

Arndt: “Bratkartoffeln und Creme fraîche!”

Körber: “Viel zu fett. Dann können wir gleich Fritten nehmen.”

Arndt: “Regenbogenforelle und Fritten, tz. Als wären wir ein Strandimbiss.”

Garovic: “Kaisergemüse! Ist ja gerade Saison…”

Narringer: “Kaisergemüse! Malte…?”

Malte schreibt.

Johansson: “Jo.”

Arndt: “Also keine Bratkartoffeln? Mit Speck? Und reichlich Zwiebeln?”

Körber: “Hausmannskost? Heiße ich Mutti oder Gitta ??”

Narringer: “Salzkartoffeln: dreißig Kilo, Speck: 5 Kilo, irgendeine fettarme Soße dazu. Malte?”

Malte schreibt.

Johansson: “Jo. Welche Soße jetzt?”

Garovic: “Hollandaise?”

Körber: “Zu Fisch! Haha!”

Arndt: “Wieso nicht? Wäre mal was…”

Narringer: “Auf keinen Fall. Kräutersoße: sieben Kräuter. Auch zum Fisch. Malte?”

Johansson: “Was? Welche sieben Kräuter?”

Garovic: “Die Soße heißt so.”

Johansson: “Ahja, wieviel?”

Narringer: “Vier Liter. Vorspeise?”

Malte schreibt.

Körber: “Salat, wie immer.”

Arndt: “Wie gehabt…”

Malte schreibt.

Narringer: “Fünfzehn Salatköpfe, Tomaten, Paprika, das Übliche. Malte?”

Johansson: “Wir haben doch noch so viel Salat, der weg muss.”

Narringer: “Malte?”

Malte schreibt.

Johansson: “Wieviel Kaisergemüse?”

Körber: “Genug.”

Johansson: “Zwanzig Kilo?”

Narringer: “In etwa.”

Malte schreibt.

Garovic: “Dessert? Ich muss gleich los…”

Körber: “Bis morgen.”

Narringer: “Stop! Du bleibst hier.”

Johansson: “Was Süßes?”

Arndt: “Süß und kalt.”

Körber: “Süß schon, aber lieber warm.”

Narringer: “Mousse au Chocolat, kalt: hundert Portionen. Malte?”

Johansson (schreibend): “Muß… Schokolade… Hab’s notiert.”

Garovic: “Tz.”

Narringer: “Wein?”

Körber: “Weißen aus Frankreich, keine Frage.”

Arndt: “Oder Italien. Und ein paar Flaschen Bordeaux…”

Körber: “Zum Ausspülen oder was?”

Arndt: “Nein, für die Kenner.”

Narringer: “Weißen aus der Pfalz, roten Bordeaux. Dreißig und zwanzig Flaschen. Malte?”

Johansson: “Also fünfzig. Von welchem jetzt?”

Garovic: “Dreißigmal Weißwein, zwanzigmal Rotwein.”

Johansson: “Achso…”

Malte schreibt.

Garovic: “War’s das? Ich muss jetzt wirklich…”

Körber: “Tschüss.”

Narringer: “Halt! Hast du dich eingetragen?”

Garovic: “Natürlich.”

Narringer: “Bis morgen, Pauline.”

Garovic: “Adieu, allerseits.”

Pauline verlässt die Großküche durch die Hintertür.

Johansson: “Kann ich dann jetzt auch…?”

Narringer: “Wenn du alles hast: Tschüss!”

Johansson: “Also bis morgen dann!”

Malte eilt ebenfalls durch die Hintertür hinaus, ruft nach Pauline.

Narringer: “Rindergulasch. Dreißig Kilo.”

Körber: “Rindergulasch.”

Arndt: “Rindergulasch!”

Fortsetzung folgt…

2 Antworten zu “Welch’ Theater! (Dritter Teil)”

  1. tucan sam Sagt:

    skuriles gespräch^^

  2. Ja – und dennoch Küchenalltag. Reine Schikane, reduziert aufs Nötigste (Rindergulasch).

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