Ruh’ in Frieden, Wahrheit!
Wir gingen einem Hinweis nach und wetzten die Messer, schnürten die Stiefel fest und sattelten unsere Gäule, es ging los. Ein paar Tage und noch mehr Nächte galoppierten wir durch Wälder und deren Unterholz, überquerten Flüsse, Felder, Handelswege. In einem „Gasthaus am See“ bezogen wir eine Kammer und legten die schwere Lederrüstung ab, wir tranken eine Flasche Schnaps und öffneten einen Beutel voller Waffen: Gifttinkturen, mit Keimen stark verunreinigte, rostige Klingen wurden ein letztes Mal geschärft, unser Ziel war nicht mehr weit. Wir löschten das Licht, schliefen unruhig, träumten nicht. Noch bevor das gemeine Fußvolk die ersten Becher Met im Schankraum vertilgen würde, hatten wir bereits ausquartiert und ritten
weiter Richtung Westen, den Sonnenaufgang im Nacken. Es wurde immer kälter, die Gäule langsamer. Nach einem halben Tag gelangen wir an die beschriebene Quelle, die nur wenige Schritte vom Weg entfernt unscheinbar schlummerte. Der moosbewachsene Steinbogen war weder ein- noch ausladend, das dunkle Innere verhieß nicht mehr als die baldige Erfüllung unserer Mission. Wir banden die Rösser an, entzündeten Fackeln und folgten dem Plätschern in die Tiefe des Brunnens. Es boten sich uns viele Feuerstellen, vor langer Zeit verlassen, in größer werdenden Abständen folgten andere Lager, wir drangen weiter in die Dunkelheit vor. Nach vielen Stunden des Gehens war es soweit, wir sahen sie auf einem kleinen Schemel am Feuer sitzen, lesend. Tastend erfühlten wir die Sichel am Gürtel, zogen sie geräuschlos aus der Lederschlinge und schlugen zu: die schnellen Schritte, der Luftzug der Klinge, das Schneiden des Fleisches, das Tropfen von Blut waren schnell verflogen, sie ging zu Boden und war tot. Wir nahmen ihr das heilige Gewand und streiften es über unsere Haut. Den Leichnam verscharrten wir im feuchten Boden einer nahe gelegenen Lichtung. Wir hatten es geschafft, nun würde man uns glauben.
Oktober 28, 2008 um 10:19
Die Wahrheit töten, welch ein Gedanke und doch töten wir täglich und auch des Nachts, das, was wir Wahrheit nennen.
Blutende Wahrheit, der Wahrheit den Garaus machen, sie mundtod machen, sie zerschlagen, sie vernichten, sich eliminieren, sie zugrunde richten.
Sie ermorden, sie zerstückeln, sie martern, bis sie Lügen verspricht.
Sie einfach vom Leben zum Toden zu befördern, weil es sie gibt, weil sie da ist.
Nein, es darf nicht sein.
Ich bitte um Absolution für Situationen, die denen ich die Wahrheit nicht erkannt haben sollte.