Dream’s a Bitch

“Alles Gute!” höre ich jemanden rufen, eine Geschenklawine droht mich zu erschlagen, ich bin bewusstlos. Ich erwache in einer Badewanne voller Götterspeise, ich fühle mich wie Gänseleber in Aspik, jemand schießt mir kaltes Bier über eine Hochdruckpumpe in die Speiseröhre, ich würge das Krabbenbrötchen hinaus und springe aus dem Bad. Die Menschenmassen stolpern mir entgegen, als ich die Türe öffne, ein Marktplatz, ein Zirkus, ein Hahnenkampfpublikum, ein Pilgerstrom, die Menschheit in meinem Wohnungsflur. Das Treppenhaus voller Schaum, im Wohnzimmer ist Bullenreiten, im Schlafzimmer spuckt jemand Feuer. Ich rutsche in Zwiebelkuchen aus, lege mich auf den Rücken und werde an den Hosenbeinen auf den Balkon gezerrt, wo es Konfetti und Zuckerwatte regnet. Ich schlage mir den Kopf am gusseisernen Geländer auf, der Partyrote Teppich rollt sich aus meiner Nase, hinab die Brüstung bis nach Mekka. Säbelzahntiger unter mir fletschen die Zähne, Zebras in Geländewagen patroullieren den Broadway entlang. Mein ausgelaugtes Gesicht erscheint im Großformat auf der Hausfassade am Ende der Straße, Ghandi hält eine Rede und lobpreist mein Lebenswerk. Eine Polonaise bringt frisches Bier und Apfelkuchen, im Kamin spielt eine mittelalterliche Liveband den Bože Pravde, die Meute tanzt und johlt. Als ich wieder auf die Beine komme, packt man mich an den Beinen und schleudert mich unter die Decke der Altbauwohnung. Wieder und wieder fängt und wirft es mich, ich steige höher und falle tiefer. Als ich nach unten blicke, ist die begeisterte Menge verschwunden, der Küchenboden wird größer und größer, eine Nasenspitze vom Kollaps entfernt.

Schweißgebadet erwache ich am Küchentisch, vor mir ein selbstgebackener Kuchen, die Kerze abgebrannt. Ich proste mir zu und flüstere: “Alles Gute!”

Eine Antwort zu “Dream’s a Bitch”

  1. Lieber Schreiber,
    Geburtstage sind ähnlich wie Weihnachten: Erwartungshaltung, von der man steif und fest behauptet, man hätte sie nicht…
    Die Wünsche, tief in uns, die auf Ablehnung durch Vernunft treffen, wie soll das gut gehen.
    Du hast wunderbar geschrieben. Die Stätte des Friedens und Rückzugs in eine Arena des Feierns verwandelt. Durch Frohsinn und Unsinn pur entweiht. Als Krönung der glitschige Zwiebelkuchen auf dem eigentlich behaglichen Boden.
    Dann Dein schlichter Schluß… Gut, sehr gut

    Ich komme beim Schreiben mit Gedichten eher klar, aber Gedichte sind ja auch Kurzgeschichten, halt noch kürzer, geraffter und gestraffter.
    Na ja, die Versform ist auch etwas anders.
    Möchtest Du meine Wort-Gedanken lesen, dann klicke Dich in http://www.wortbehagen.de hinein. Ich wünsche Dir gute Träume dabei.

    Gruß von Bruni Kantz

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