In the Heat of the Night
Heiß war es, unglaublich heiß. Das Wachs in meinen Ohren war bereits flüssig geworden und brodelte nun, unaufhörlich rann es mir aus den Hörmuscheln. Schwitzen konnte ich mittlerweile nicht mehr, denn das tat ich schon seit Stunden, die Pfütze unter mir war bereits oxidiert und umwehte mein Geruchsorgan nun mit den Ausdünstungen des Schweineschitzels, dass ich am Abend verschlungen hatte. Ein Hauch von Minze lag in der Luft, denn die aufgedunsene Seniorin von nebenan liebte After Eight, das Kläffen ihres Schäferhundes war verstummt, seine Zunge hing schlaff über die Balkonbrüstung ins darunter liegende Geschoss. Erbarmte sich das Klima dennoch mal zu einem leichten Sommerwind, so trug es Leichengeruch und den Gestank von verschimmeltem Speiseeis mit sich, Calippo Erdbeer, wie man förmlich schmecken konnte. Die Hitzedecke lag nun schon so lang gebieterisch
flimmernd über der Innenstadt, dass einem schlecht wurde, wenn das Bild in der abgekühlten Nacht nicht mehr verschwamm, so sehr hatte sich der Blick an den Dunst gewöhnt. Die Blümchentapete begann, abzublättern, sie schälte sich von den Wänden und entblößte dem Betrachter das poröse Mauerwerk darunter. Die Wenigen, die so viel Flüssigkeit zu sich genommen hatten, dass sie noch der Bewegung fähig waren, zogen ihre Leiber mit letzter Kraft in die Schatten der verdorrten Apfelbäume, die wie Oasen zwischen dem Asphalt und der orange schimmernden Abendsonne lagen. Im Hause gegenüber sah ich, wie jemand an den Wurzeln seiner Juccapalme sog, hoffend, einen Tropfen Wasser zu erhaschen. Vergeblich, wie man kurze Zeit später sah, das Granulat hatte seinen Dienst getan und ließ den Pflanzenfreund dahinsiechen. Ich weiß nicht, worin mein Heißhunger auf trockenes Knäckebrot begründet lag, aber irgendwie überkam es mich, sodass ich nach einer geschätzten halben Nacht den Brotkorb erreichen und mir eine Ecke Wasa™ auf den rauhen und steif gewordenen Zungenmuskel legen konnte. Danach verschwamm alles zum letzten Mal, ich hatte es geschafft.
Mai 27, 2008 um 8:36
Ach, wie kümmerlich ist die Wirklichkeit.