Welch’ Theater! (Erster Teil)

Ort: Vor dem Gartenzaun der Familie Recher, es ist ein später Sommerabend, rötliche Sonnenstrahlen durchziehen das Geschehen.

Personen: Andreas Recher, Barbara Garovic und ihre Tochter Pauline

Andreas: “Also meine Liebste, ich werde nun hineingehen.”

Pauline: “Ich wünschte…”

Barbara (unhöflich unterbrechend): “Vielen Dank, Herr Recher, grüßen sie mir die Eltern – und empfehlen sie die Ernte meines Mannes!”

Andreas (krampfhaft lächelnd): “Das werde ich tun, Frau Garovic, haben sie vielen Dank. Ich hoffe doch sehr, ihre Tochter bald einmal wieder…”

Barbara (wieder dazwischen fahrend): “Machen sie sich keine Sorgen, junger Mann, wir haben noch nicht die Pest.”

Pauline (eingeschüchtert): “Bis bald…”

Andreas geht ins Haus und schließt die Tür hinter sich, die Garovics gehen die Straße hinunter.

Pauline: “Mutter, du warst so ungehobelt, ich möchte sterben!”

Barbara: “Ach Mädel, das muss er abkönnen, wenn er sich mit der Familie Garovic einlässt. Der ist ja nicht aus Stroh, der wird’s schon verstanden haben.”

Pauline (zornig): “Dass du dich auch immer überall einmischen musst!”

Barbara: “Ich mische mich in Dinge ein, die mich was angehen, mehr nicht, Hübsche.”

Auf dem Rest ihres Weges herrscht Schweigen.

Ort: “Zum goldenen Hering”, spät in der Nacht

Personen: Maat Johansson, Kapitän Schinck

Schinck: “Junge, du kapierst’et nich, oder? Bier is… zum SAUFEN da, Frauen sind zum VERNASCHEN da!”

Johansson (unverstanden): “Käpt’n, ich bin doch keiner von der Sorte, ich hab’s eher mit der Romantik, versteh’n sie?”

Schinck (lachend): “Rooom… antik sagst du, was? Ich will dir was sagen, neulich hat mein Weib Pfeifentabak mitgebracht – ohne von mir aufgefordert worden zu sein! DAS ist Romantik, Bengel.”

Johansson (zu Boden blickend): “Ach sie verstehen mich nicht, Käpt’n. Die Zeiten ändern sich, heute ist man nicht mehr so…”

Schinck: “Nee stimmt, heute bezahlt man auch ein Arschloch von Hafenmeister fürs Schnapssaufen und Schlafen. Dafür wird man dann seit neuestem vor Gericht gezerrt, wenn man einem der fliegenden Büttel von Händlern mal erzählt, wer im Hafen die Eier hortet.”

Johansson (kleinlaut): “Jeder versucht halt, sein Bestes aus dem Geschäft zu machen.”

Schinck: “Janz jenau, Junge. Und deshalb solltest du dir das Mädel mit nach Finnland nehmen und ihr da ein paar von diesen kleinen Getreideratten machen.”

Johansson (zweifelnd): “Ach Käpt’n, sie kennt mich ja noch nicht mal. Wie soll sie mich da heiraten?”

Schinck: “Wer spricht denn hier von der Guillotine? Du beschläfst sie und danach stichst du zur Abwechslung mal wieder in See – und zwar mit mir und den Jungs.”

Johansson: “Sie meinen, ich sollte sie sitzen lassen? Aber Käpt’n, sie kennt mich doch noch nicht mal…”

Schinck: “Ja Junge, Amerika hat auch keinen Leuchtturm gebaut, damit wir’s finden. Geh’ zu ihren Eltern, schenk’ ihnen dein letztes Gehalt und krall’ dir das Mädel.”

Johansson: “Aber Käpt’n, ich werd’ mir die Dame doch nicht kaufen. Ich möchte, dass sie mich liebt – und vorher geh’ ich hier nicht weg.”

Schinck: “Du klingst entschlossen, Junge. Tu’, was du willst, aber Cedric und ich haben beschlossen, bereits nächsten Monat wieder nach Norden zu fahren.”

Johansson: “Wenn ich erst eine Unterkunft und Arbeit im Hafen gefunden habe, werde ich sicher hier bleiben, bis dahin halt’ mir doch bitte die Stelle frei.”

Schinck (väterlich auf die Schulter klopfend): “Bis nächste Woche will ich von dir hören, dass du wieder Walrösser killen willst, hörst du?”

Kapitän Schinck verschwindet mit einer Tänzerin in einem Séparée, Maat Johansson trinkt sein Bier aus und verschwindet nach draußen.

Ort: Das Haus der Garovics, zwei Wochen später.

Personen: Barbara Garovic, ihr Mann Vladimir und Pauline

Vladimir: “So soll es sein. Wenn du es wirklich willst, so lasse ich euch gewähren. Aber bedenke, dass du damit viele Verpflichtungen eingehst.”

Pauline: “Vater, …”

Barbara (unterbrechend): “Ach mein Mädchen heiratet, welch’ schöne Nachricht, ich werd’s gleich der Maria erzählen!”

Pauline: “Mutter, bitte behalte das doch eine Weile für dich, bis seine Eltern auch zugestimmt haben…”

Vladimir: “Ich habe bereits mit dem alten Ole gesprochen, es sei ihm egal, was der Bengel mache.”

Barbara: “Egal? Was sind denn das für Verhältnisse dort? Ein ungezogener Grobian kommt mir nicht an unseren Esstisch!”

Pauline: “Ach Vater, so leicht ist das nicht. Seit sich die beiden gestritten haben, treibt sich Andreas nur noch im Walde oder bei Freunden herum, sein Vater hat ihn letzte Woche rausgeschmissen…”

Barbara: “Oh Herr, bewahre! Ein obdachloser Strolch heiratet meine Tochter!”

Vladimir (planend): “So soll er solang’ bei uns leben. Sag ihm, wir werden ihm ein Zimmer beziehen.”

Barbara: “Ja bist du denn…”

Vladimir sieht seine Ehefrau streng an, diese sieht schweigend zu Boden und verlässt den Wohnsaal in Richtung Küche.

Pauline: “Aber Vater, das ist doch nicht nötig, er hat ja ein wenig Geld und…”

Vladimir: “Nein, so soll es sein. Mein zukünftiger Schwiegersohn soll hier bei uns wohnen, bis er etwas Anderes gefunden hat.”

Pauline verbeugt sich und läuft die hölzerne Treppe hinauf.

Fortsetzung folgt…

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